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Zeitreise Büderich

Von der Nachkriegszeit bis zur kommunalen Neugliederung

1946 - 1974

Bernhard Wanders
Bürgermeister 1946-1960

Noch vor der Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen durch Verordnung der britischen Militärregierung am 23. August 1946 wurden Gemeindevertretungen gebildet, so auch am 1. Januar 1946 in Büderich. Diese umfasste 16 Mitglieder. Bei der Zusammensetzung orientierte man sich an den Wahlergebnissen der letzten freien Kommunalwahl von 1929. Dabei erhielt die sich gründende CDU als Nachfolgepartei des Zentrums vierzehn Sitze, die SPD und die KPD jeweils einen Sitz. Der bereits im Herbst 1945 eingesetzte Bürgermeister Leo Bartels wurde am 21. Februar 1946 vom Landrat im Namen der Militärregierung bestätigt.
Die ersten Kommunalwahlen nach dem Krieg wurden am 15. September 1946 durchgeführt. In der ersten Sitzung des neu gewählten Gemeinderates wurde am 1. Oktober 1946 Bernhard Wanders zum Bürgermeister gewählt, Adolf Opgen-Rhein wurde stellvertretender Bürgermeister.1

Es zeigte sich sehr schnell, dass die von den Amerikanern errichtete Behelfsbrücke über den Rhein nach Wesel, die den Namen Roosevelt-Brücke trug, in keiner Weise dem Verkehr gewachsen war. Zudem war die Gründung unzureichend, so dass eine Unterspülung der Pfeiler zu erwarten war. Gefahr drohte insbesondere durch Hochwasser und Eisgang. Der Schiffsverkehr wurde durch den engen Abstand der Pfeiler behindert.

Brückenportal der Montgomerybrücke auf Büdericher Seite

Daher wurde nach Verhandlungen zwischen dem Pionierstab der engl. 1. Rheinarmee und der Straßenbauverwaltung der Rheinprovinz die Errichtung einer sogenannten Bailey-Brücke beschlossen. Da Bailey-Brücken jedoch nur einspurig waren, wurden aufgrund der hier benötigten Länge von 600m zwei Bailey-Brücken nebeneinander errichtet, eine für jede Fahrtrichtung. In der Mitte befand sich ein Radweg, an den beiden Außenseiten Fußwege.
Die Amerikanische Behelfsbrücke wurde durch die neue Brücke, die den Namen Montgomerybrücke erhielt, ersetzt. Während der Arbeiten diente jene jedoch noch als Rammbühne. Bereits am 5. Februar 1946 wurde nach einer Truppenparade die Brücke dem Verkehr übergeben. Hierbei waren nur wenige besonders geladene deutsche Gäste zugegen. Die erfüllte für die nächsten sieben Jahre ihren Dienst.2

Ende 1946 wurde auch die behelfsmäßige Eisenbahnbrücke über den Rhein demontiert.3

1947 Junggesellen-Schützenkönig Hermann Wäckers

Die Einwohner Büderichs begannen die Kriegsschäden an ihren Häusern zu beheben. So langsam kehrte der Alltag zurück und auch Vereine und Bruderschaften konnten sich wieder betätigen. So entzünden die Junggesellen am Ostersonntag 1946 wieder traditionell eine Teertonne bei der Wacht am Rhein. 1947 wurde wieder ein Schützenfest gefeiert.4 Die schwer beschädigte katholische Kirche St. Peter wurde bis 1947 provisorisch instandgesetzt, so dass ab dem 11. Mai 1947 wieder Messen in der Kirche gefeiert werden konnten.5 

Innenraum der Ev. Kirche 1949

Die evangelische Kirche wurde am 25. September 1949 im Rahmen der Feier zur 425jährigen Gemeindegründung nei eingeweiht. In der vorangegangenen vier Jahren feierte die Gemeinde ihre Gottesdienste entweder im Saal van Gelder oder der katholischen Pfarrkirche St. Peter.6 

Die Gebäude von Fort Blücher dienten in der Nachkriegszeit für einige Jahre ausgebombten Weseler Familien als Notunterkunft. Zudem wurden auf dem Gelände weitere sogenannte Nissenhütten als Notunterkünfte errichtet.

Zu einer weiteren Normalisierung der Lage trugen die am 20. Juni 1948 in Kraft getretene Währungsreform und die Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 23. Mai 1949 bei.

Jubiläumsschützenfest 1950
500 Jahre St. Petri-Junggesellenschützenbruderschaft

Vom 15. bis zum 18. Juli1950 wurde aus Anlass des 500jährigen Bestehens der St. Petri-Junggesellenschützenbruderschaft ein großes Jubiläumsschützenfest und Bundesfest der Historischen deutschen Schützenbruderschaften ausgerichtet.4

Nachdem bereits 1948 mit den Planungen zum Bau einer neuen Straßenbrücke als Ersatz für die Montgomerybrücke begonnen wurde, begannen am 14. August 1950 die Arbeiten zur Wiederherstellung der Strompfeiler der kriegszerstörten Rheinbabanbrücke. Innerhalb von drei Jahren wurde die Brücke fertiggestellt und am 18. Juni 1953 dem Verkehr übergeben. Da man aus Zeit - und Kostengründen die Pfeiler der während des ersten Weltkriegs errichteten für die neue Brücke nutzte, war die Breite der neuen Brücke verhältnismäßig gering.2 Man ging damals davon aus die Brücke nach einer Nutzung von etwa 25 Jahren zu ersetzen. Stattdessen diente die als Nadelöhr bekannte Brücke für 66 Jahre als Hauptschlagader des niederrheinischen Straßenverkehrs.

Zwischen 1952 und 1954 wurde das Marienkrankenhaus durch einen Anbau erweitert. Zudem wurde eine Parkanlage angelegt. Bald darauf wurde es in ein Altersheim umgewandelt. 1957 konnte auch der neue Marien-Kindergarten an der Gartenstraße eingeweiht werden. Er ersetzte die von den Schwestern des Marien-Krankenhaus seit 1866 betriebene sogenannte Kinder-Verwahrschule.

1954 veranlasste die Bundesfinanzverwaltung als Besitzerin des Forts die vollständige Abtragung der Militäranlagen. Es sollte Vorflutgelände für den Rhein geschaffen werden, wie es hieß. Das Fort Blücher bis 1959 bis auf wenige Reste von der Firma Landers gesprengt und abgetragen. Der Deich wurde zurückverlagert, das Gelände durch die Firma Hülskens ausgekiest. Die Abgrabung wurde im Anschluss mit den Trümmern Fort Blüchers auf niedrigerem Niveau verfüllt. Das Gelände dient seitdem als Weideland.7

Nach mehrjährigen Verhandlungen beschloss am 25. März 1954 die Gemeinde Büderich in Abstimmung mit den Deputierten der Stadtsweidegesellschaft einen 10 ha umfassenden Teil der Stadtsweide bei Werrich der Firma Rheinkies-Baggerei aus Wesel zur Auskiesung pachtweise zu überlassen. Die Einnahmen sollten den finanziellen Grundstock zur Herstellung der Kanalisation bzw. den Straßenbau im Ortskern Büderich bilden, also in den Straßen, in denen die Nutzungsberechtigten der Stadtsweide ihre Häuser hatten.14
Mit dem Bau der Kanalisation wurde im Jahr 1957 begonnen,15 der unnötig gewordene Leygraben, der vom Ortskern zur Breiten Wardtley führte, wurde zugeschüttet.

Glockenweihe am 3. April 1957

Zwischen 1955 und 1965 wurde die Kirche St. Peter in mehreren Abschnitten renoviert, so erhielt sie 1956 ihren markanten farbigen äußeren Anstrich und 1957 neue Glocken, die am 3. April des Jahres geweiht wurden. Am diesem Tag feierte auch Theodor Bergmann sein diamantenes Priesterjubiläum. In den folgenden Jahren erfolgten weitere gestalterische Änderungen vor allem des Innenraumes der Kirche.5

 

 

Einweihung des Gedenksteins in Alt-Büderich am 3. April 1957

Die Gemeinde Büderich errichtete am 3. April 1957 ein Erinnerungsdenkmal für das 1813 untergegangene Alt-Büderich. Sie wählte ebenfalls den Tag des Priesterjubiläums von Theodor Bergmann, da dieser sich in besonderer Weise als Heimatforscher um die Erinnerung an Alt-Büderich verdient gemacht hatte.
Fünf Jahre später, genauer gesagt am 31. März 1962 verlieh die Gemeinde ihm die Ehrenbürgerschaft Büderichs.

Innenraum der Ev. Kirche nach 1962

Der Innenraum der evangelische Kirche wurde zwischen 1957 und 1962 neu gestaltet, sie sollte schlicht, hell und einladend wirken. Auf dem Turmseite wurde eine über eine Wendeltreppe zu erreichende Orgelempore in Beton gegossen, auf die Wiederherstellung der Sakristei an der Chorseite wurde verzichtet. Die Decke wurde mit Holzkassetten versehen. 1962 wurde eine neue Orgel aufgestellt.6

Bernhard Große Holtforth
Bürgermeister 1960-1969

1960 wurde der Grundstein zu einem Haus der Jugend in Büderich gelegt. Der kath. Kindergarten im Ortsteil Ginderich wurde eingeweiht. Ebenfalls im Ortsteil Ginderich wurde auch der Neubau der Spar- und Darlehenskasse fertiggestellt.
Bürgermeister Bernhard Wanders starb in diesem Jahr im Alter von 58 Jahren, sein Nachfolger wurde Bernhard Große-Holtforth aus Ginderich.8

Willi Birkenhauer
Gemeindedirektor 1961-1975

Im Februar 1961 verstarb auch der langjährige Gemeindedirektor und frühere Bürgermeister Wilhelm Staßen. Sein Nachfolger wurde Willi Birkenhauer.

1962 wurde auch im Ortsteil Ginderich ein Ehrenmal für die Toten den 2. Weltkrieges errichtet.

In den 1960 Jahren beginnen sich die Spar- und Darlehenskassen der Umgebung zusammenzuschließen. Den Anfang machen Büderich und Ossenberg, deren Spar- und Darlehenskassen im Juni 1963 fusionieren. Als Hauptsitz wurde Büderich festgelegt. Im Februar 1964 wurden neue Geschäftsräume bezogen. 1967 schlossen sich die Spar- und Darlehenskassen Ginderich und Menzelen zusammen. 1970 kam es dann zur Fusion der beiden verbliebenen Spr- und Darlehenskassen Büderich und Menzelen. Innerhalb von nur neun Monaten wurde am Büdericher Markt der neue Hauptsitz errichtet und am 18. Dezember 1970 eröffnet.
Am 24. Juni 1968 eröffnete die Kreissparkasse Moers nach knapp zehnmonatiger Bauzeit eine neue Zweigstelle an der Weseler Straße.8

Leider vielen der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs der 60er Jahre auch viele denkmalwürdige Gebäude Büderichs dem neuen Zeitgeschmack zum Opfer. Viele Gebäude wurden umgebaut, andere durch Neubauten ersetzt, wie z.B. im Jahr 1964 das kath. Pfarrhaus, welches das erste fertiggestellte Wohnhaus Neu-Büderichs gewesen war.

1964 werden gleich mehrere Schulerweiterungen fertiggestellt, zum einen konnte die kath. Volksschule in Büderich zwei neue Klassenräume beziehen, zum anderen wurde der Erweiterungsbau der kath. Volksschule in Ginderich fertiggestellt.
Mit Beginn des Schuljahres 1968/1969 wurde am 1. August 1968 die kath. Volksschule in Büderich in eine zweizügige Geimeinschaftshauptschule und die ev. Volksschule in eine Gemeinschaftsgundschule umgewandelt, der bereits 1966 begonnene Erweiterungsbau der Grundschule konnte am 10. September 1968 seiner Bestimmung übergeben werden.8

Mahnmal an das Kriegsgefangenenlager Büderich

Am 26. August 1965 wurde das Mahnmal zur Erinnerung an das Kriegsgefangenenlager Büderich unter Anwesenheit vieler ehemaliger Insassen eingeweiht.

In der Nachkriegszeit stieg die Zahl der Einwohner der Gemeinde Büderich stark an, zum einen durch eine hohe Geburtenrate, zum anderen durch Zuzug von Ostvertriebenen. Im Mai 1966 zählte die Gemeinde Büderich 4746 Einwohner.8
Es wurden neue Baugebiete erschlossen, zunächst Am weißen Stein und an der Schützenstraße, in den 60er und 70er Jahren der Bereich zwischen Ortskern und Winkelng sowie das heutige Flüsseviertel, dessen Straßen zunächst nach Blumen benannt waren.
Einfluss hatte der Zuzug auch auf die konfessionelle Ausrichtung. So stieg auch der prozentuale Anteil der ev. Christen. Während die alteingesessenen ev. Christen Büderichs reformiert geprägt waren, waren die aus den Ostgebieten zugezogenen dagegen eher lutherisch geprägt.

Am 1. Oktober 1967 wurde das nach dem ev. Märtyrer Adolf Clarenbach benannte ev. Gemeindehaus von Pfarrer Wilfried Neirich eröffnet.8 Clarenbach wirkte u.a. in Alt-Büderich als Reformator.

Sender Büderich; Foto:Marcus Abram
Gedenktafel zur Inbetriebnahme

Bereits im Jahr 1961 wurde im Rahmen des Regionalen Abkommens für die Europäische Rundfunkzone in Stockholm beschlossen in unserer Region einen Grundnetzfernseh-Rundfunksender zu errichten, um eine bereits länger bestehende Versorgungslücke am Niederrhein zu schließen. Bei der Wahl des genauen Standortes konnte sich die Gemeinde Büderich gegen rund dreißig andere Standorte durchsetzen. Ausschlaggebend waren neben der räumlichen Lage auch die geologischen Verhältnisse, um die Standfestigkeit des Turms zu gewährleisten.
Im November 1965 begann die Bundespost mit den Vorbereitungen zum Bau eines neuen 500-kW-Fernsehsenders. Im Jahr 1966 war Baubeginn des der Stahlgittermast-Konstruktion, der von der Sohle bis zur Spitze einen quadratischen Querschnitt von 3,50m hat. Im September 1968 wurde der Sender Büderich fertiggestellt, die Baukosten lagen bei 8,5 Mill. DM, am 2. September 1968 strahlte er erstmals sein Testbild aus. Am 16. September folgte die Vermessung per Hubschrauber und am 23. September die feierliche Inbetriebnahme durch Bundespostminister Dr. Werner Dollinger im Rahmen eines Volksfestes unter Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste. Die Deutsche Bundespost gab zu diesem Anlass einen Sonderstempel heraus.

Mit seinen damals 321,45 m und heute 320,80 m ist der Fernsehturm noch immer eines der höchsten Gebäude Europas und das höchste Bauwerk Nordrhein-Westfalens. Er stellt in seiner rot-weissen Farbgebung eine weithin sichtbare markante Landmarke dar.8, 9, 10
Um die Standsicherheit auch dauerhaft zu sichern, wurde der betreffende Bereich großräumig von Salzabgrabungen frei gehalten, so dass der Standort nicht von Bergsenkungen betroffen ist.

Nachdem bereits am 29. Mai 1960 der Personenverkehr zum Bahnhof Büderich eingestellt worden war, wurde er am 2. November 1968 in eine unbesetzte Gütertarifstelle umgewandelt.

Gertrudiskapelle

In Erinnerung an das Alt-Büdericher Kloster Gertrudenthal wurde im Jahr 1968 die Gertrudiskapelle von der Junggesellenschützenbruderschaft errichtet. Geweiht wurde die Kapelle am 29. Juni 1969.

 

Prozess zur Kommunale Neuordnung

Am 7. Mai 1962 wurde ein novelliertes Landesplanungsgesetz verabschiedet. Dieses forderte eine Raumordnung unter Berücksichtigung sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Belange. Zur Realisierung wurden Landesentwicklungspläne aufgestellt, 1966 der Landesentwicklungsplan I, 1970 der Landesentwicklungsplan II.
Die bis dato teilweise bestehenden Ämter sollten aufgelöst werden, die Zahl der Kreise und Gemeinden sollte verringert werden. Es sollten keine Gemeinden mit weniger als 3000 Einwohner verbleiben.

Während es 1967/68 in Borth durchaus Bestrebungen gab mit der Gemeinde Büderich zu fusionieren, so wurden entsprechende Gespräche 1969 beendet, die Borther kamen zu dem Schluss, ihre Zukunft läge in Rheinberg.11 Büderich dagegen glaubte seine Eigenständigkeit wahren zu können.

Während die Gemeide Büderich die erste große Eingemeindungswelle noch überstand, wurde 1970 von der Landesregierung dargelegt, dass sie die Gebietsreform auf Kreis- und Gemeindeebene fortsetzen wolle. Die für die Neuordnung des Niederrheins zuständige Kommision im Landesinnenministerium wurde nach ihrem Vorsitzenden, Ministerialrat Heinz Köstering, Köstering-Kommision genannt.

In der Folge wurde die verschiedensten Vorschläge gemacht. Wesels Bestreben war den gesammten Lippemündungsraum hinzuzugewinnen. Darüber hinaus wollte Wesel auch das linksrheinische Büderich in sein Stadtgebiet eingliedern. Bis heute hält sich das Gerücht, dass der Sender Büderich, das höchste Bauwerk des Landes, die Ursache dieser Ambitionen gewesen wäre. Man wollte stattdessen den Sender umbenennen und den Namer Wesels ins Umland ausstrahlen.

Bernhard Hoffacker
Bürgermeister 1969-1975

Am 24. Februar 1971 kam es zu Gesprächen zwischen dem 1969 ins Amt gekommenen Bürgermeister Bernhard Hoffacker und dem Gemeindedirektor Willi Birkenhauer mit Vertretern Wesels. Hoffacker erklärte in der Folge, dass, wenn Büderich seine Eigenständigkeit nicht erhalten könne, für die Gemeinde nur der Anschluss an Wesel in Frage komme. Dementsprechend lehnte die Gemeinde Büderich auch am 27. August 1971 noch eine kommunale Arbeitsgemeinschaft im Nordkreis Moers ab.
Im Dezember 1971 kam es dagegen in Büderich zu anderen Überlegungen. Auf Antrag der CDU sprach sich der Gemeinderat mehrheitlich für die Selbständigkeit aus, alternativ sollte sich die Gemeinde mit Borth und Alpen zusammenschließen.
Am 17. April 1973 schlug Innenminister Weyer zwei rheinüberschreitende niederrheinische Kreise vor, Kreisstadt des östlichen sollte Wesel werden. In der Folge nahm kam es zu weiteren Gesprächen u.a. zwischen Wesel und Büderich.12

Der gesamte Prozess führte zu großem Unmut und auch zu Unsicherheiten in der Bevölkerung. So ließ sich z.B. die Büdericher Stadtsweidegesellschaft ihre althergebrachten Rechte im Vorfeld nochmals rechtlich absichern, da die Sorge Bestand diese in einer neuen, größeren und unübersichtlicheren kommunalen Gebietskörperschaft zu verlieren.14 Der drohende Verlust der Selbständigkeit wirkte zudem lähmend auf die Arbeit der Gemeindeverwaltung1, so wurde z.B. eine nötige weitere Schulerweiterung nicht angegangen und im neuen Schuljahr 1970/71 wurden 215 Kinder in nur vier Klassen unterrichtet.8

Am 9. Juli 1974 schließlich wurde das Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Niederrhein (kurz Niederrhein-Gesetz) im Landtag verabschiedet. Die Gemeide Büderich verlor am 31. Dezember 1974 ihre Eigenständigkeit und kommunale Selbstverwaltung.13

Das frühere Gemeinderatsmitglied Heinrich Henrichs bezeichnete diesen Akt als "das wohl einschneidenste Ereignis der Nachkriegszeit für Ginderich, Büderich und alle anderen davon betroffenen Orte."1

Unmittelbar vor der Eingemeindung konnte im Jahr 1974 noch die Turnhalle an der Petristraße eröffnet werden.15

Marcus Abram

Letzte Sitzung des Büdericher Gemeinderates am 20.12.1974:
v.l. stehend: H. Lampe, T. Gardemann, P. Cornelißen, H. Henrichs, W. Tillemans, J. Boesemann, E.Orth, H. Claeßen (Schriftführerin), T. Bauer, B. Hoffacker (Bürgermeister), W. Birkenhauer (Gemeindedirektor), K.-H. Winschuh, W. Opgen-Rhein;
sitzend: F. Christians, A. Leonhard, E. Schaaf, G. Halswick, H.-G. van Husen, K. Ingenfeld, H. Eisbrüggen (stallv. Bürgermeister), H. Wäckers, J. Bruns (stellv. Gemeindedirektor)

  Im vorerst letzten Artikel der Chronik wird die jüngste Geschichte Büderichs als Stadtteil Wesels beschrieben.

Quellen:

  1. Heinrich Henrichs: Die Gemeinde Büderich-Ginderich nach dem zweiten Weltkrieg. In: Römer, Wallfahrt, Landwirtschaft. Zwei Jahrtausende Gindericher Geschichte, Wesel, Selbstverlag des Stadtarchivs, 2000, ISBN 3-924380-18-X, S. 167-169
  2. Ministerium für Wirtschaft und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen: Die neue Strassenbrücke über den Rhein bei Wesel, Düsseldorf 1953, S. 234
  3. Hans Schlieper, Vincent Freriks: Die Nord-Brabant-Deutsche Eisenbahn - Boxteler Bahn, DGEG, 2014, ISBN 978-3-937189-79-6, S. 234
  4. St. Petri-Junggesellenschützenbruderschaft 1450 Büderich e.V.: Jubiläumsfestschrift 550 Jahre St. Petri-Junggesellenschützenbruderschaft, 2001, S. 32ff
  5. Arbeitsgruppe 200 Jahre St. Peter Büderich: Rückblick auf die Geschichte der Pfarrkirche St. Peter Büderich zur 200. Wiederkehr ihres Weihetages, Wesel 2021, S. 20-34
  6. Joachim Wolff, Eginhard Brandt, Eugen Aaldering: Bilder einer Kirche. Die Evangelische Kirche Büderich. Herausgegeben von der Evangelischen Kirchengemeinde Büderich, Wesel 2001, ISBN 3-9802870-25, S. 29
  7. Stadt Wesel: Stichtag: 08. Juni 1959 - Grüne Wiesen erobern sich ihr Terrain zurück
  8. Kreisverwaltung Moers: Jahreschroniken der Heimatkalender und Jahrbücher von 1949 bis 1975 für den Kreis Moers, Rheinberg 1948-1974
  9. Heinrich Vohs: Die Fernseh-Rundfunksender Büderich. In: Heimatkalender 1970 für den Kreis Moers, Rheinberg 1969, S. 87-92
  10. Petra Herzog: Fernsehturm Büderich: rot-weisser Mast mit viel Ausstrahlung, NRZ 22.01.2021
  11. Stadt Rheinberg: 25 Jahre Kommunale Neugliederung in Rheinberg
  12. Werner Köhler: Vor 40 Jahren - Gebietsreform im Raum Wesel. In: Kreis Wesel - Jahrbuch 2015, Mercator-Verlag Duisburg 2014, ISBN 978-3-87463-545-5, S. 6-13
  13. NRW: Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Niederrhein (Niederrhein-Gesetz), 9. Juli 1974
  14. Stadtsweidegesellschaft: Unterlagen der Gesellschaft
  15. St. Sebastiuanus Bürgerschützen-Bruderschaft: Festschrift 575 Jahre St. Sebastianus Bürgerschützen-Bruderschaft 1424 Büderich, 1999, S. 28-33
  16. Büdericher Spielverein: Wir leben Sport! 100 Jahre Büdericher Spielverein 1919 e.V., Jubiläumschronik, 2019, S. 29ff